Sächsisches Glas , Teil 1

Den meisten von uns ist bekannt, dass in Sachsen die Porzellanherstellung neu erfunden wurde. Durch August der Starke wurde um 1707 der  Alchemist Johann Friedrich Böttger beauftragt das Porzellan neu zu erfinden.

Unter maßgeblicher Führung durch den Wissenschaftler und Geschäftsmann Ehrenfried Walter von Tschirnhausen wurde dann 1708 das europäische Porzellan erfunden. Was aber weitestgehend unbekannt ist, ist das in der Zeit von 1700 bis ca. 1760 Sachsen in Europa eines der führenden Länder der Glasproduktion und Glasveredelung war. Unter der Leitung von Tschirnhausen entstanden sächsische Glashütten die sowohl Tafelglas als auch Hohlgläser produzierten. Die Prachtentfaltung am sächsischen Hof brachte eine große Nachfrage nach kunstvoll veredelten Glas. Durch die meisterhafte Beherrschung der Glaskunst entstanden Gläser die zunehmend zur Konkurrenz der venezianischen und böhmischen Glashütten wurden. Durch die kriegerischen Auswirkungen des siebenjährigen Krieges verschwand ein Großteil der sächsischen Glashütten oder wanderte in andere Teile Europas aus.

Im Schloßmuseum Pillnitz befindet sich eine umfangreiche Sammlung von Pokalen und Gläsern aus der Blütezeit der sächsischen Glasmacherkunst. Interessant sind die Abmessungen der Pokale. Sie geben einen eindrucksvollen Überblick über die Trinkgewohnheiten am sächsischen Hof und generell in der damaligen Gesellschaft. Aus unserer heutigen Sicht musste die Mehrzahl der damaligen Bevölkerung als alkoholabhängig eingestuft werden.

Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist der Deckelpokal “Willkomm” der kurfürstlichen Hofkellerei. Dieser ist gefertigt mit farblosen Glas mit Hoch- , Tief- , Matt und Klarschnitt. Dieser Typus des Dresdner Glases zeichnet sich durch besonders kristallklares Glas aus. Im Gegensatz zu anderen Glashütten konnten die sächsischen Glashütten ein farbloses Glas erzeugen. Die Dresdner Gläser zeigen eine elegante Form bestehend aus tellerförmigen Fuß, Balusterschaft mit Ringscheiben und gedeckelter Kuppa mit facettierten Ansatz.

Die geschätzte Größe ist ca. 70 cm und der Inhalt fasst sicher mehr als eine Flasche Wein. Dieser Pokal wurde 1768 Kurfürst Friedrich August anlässlich eines Besuches in der Hofkellerei des Dresdner Schlosses überreicht.