Der Mythos vom farblosen Glas

Im Erzgebirge gab es im Mittelalter zahlreiche Glashütten. In diesen Glashütten wurde ein dickwandiges Gebrauchsglas erzeugt. Charakteristisch für dieses Glas war die grüne Färbung. Im Volksmund wurde dieses Glas als Waldglas bezeichnet. Diese Bezeichnung kann auf 2 Ursprünge zurückgeführt werden. Zum einen hatte dieses Glas einen grünen Farbton und zum anderen waren die Glashütten in waldreichen Gegenden angesiedelt.

Die Färbung des Glases und die dazu verwandten Zuschlagstoffe.

Verziert wurden die erzeugten Gläser mit einfachen Strukturen. Das können Ausstülpungen / Nuppen oder Glasfäden sein. Diese Ausstülpungen wurden mit Holzformen erstellt. In diese Formen wurde der heiße Glasballon geblasen und formte den Glaskörper. Diese Holzformen waren der Vorläufer der heutigen Reifendreherei die noch heute zur Anfertigung von Holzspielzeug verwendet wird.

Die charakteristische Färbung des Glases wird durch Eisen verursacht, welches in den verwandten Zusatzstoffen vorkommt. Die Zusatzstoffe sind in Erster Linie Sand, Kalkstein und Pottasche. Entsprechend der Eisenkonzentration war das Glas blau oder grünstichig. Diese Verfärbung des Glases war unerwünscht. Die Verwendung dieses farbstichigen Glases in den Haushalten des Adels und des wohlhabenden Bürgertums war aus Repräsentationsgründen nicht erwünscht. Daher wurde Bergkristall für die Prunkgefäße verwandt. Eindrucksvoll zeigt dies die Ausstellung im Dresdner Stadtschloss. Zahlreiche Exponate zeigen in dieser Ausstellung, dass bis ca. 1700 Prunkgefäße aus Bergkristall gefertigt wurden. Bergkristall war farblos und konnte im Nachgang geschliffen und bearbeitet werden.

Wer sich für Glasfarben interessiert, dem empfehlen wir den Glas-Color-Index.

Georgius Agricola beschreibt in seinem 1596 erschienen Buch ‘Über die Metalle’ die Verwendung von Braunstein / Manganoxid zur Herstellung von farblosem Glas. In Wahrheit kam es jedoch zu einer Farbverschiebung. Die Farbe des gelb-grünen Glases veränderte sich zu einem grau-schwarzen Farbton, der für das menschliche Auge kaum noch erkennbar ist. Zahlreiche Prunkpokale unter ‘August dem Starken’ zeigen diese charakteristische Farbverschiebung. Zu besichtigen sind diese Pokale im Schloss Pillnitz in der Nähe von Dresden.